Gästeblock im Regen: ein Samstag in der Bezirksliga
- Rubrik
- Auswärtsfahrten
- Veröffentlicht am
- 02. Juli 2026
- Lesezeit
- 5 Min.
Der Bus verlässt den Parkplatz am Stadion um sieben Uhr, die Kaffeekanne hängt am Bordnetz. Auf dem Programm: zweihundertachtzig Kilometer, ein Zaun, und die Rückfahrt in der Nacht.
Der Gästeblock als Wetterstation
Der Gästebereich ist ein Betonrechteck ohne Dach, und der Regen kommt waagerecht. Macht nichts: Draußen singt es sich lauter als drinnen. Zwei Schirme für vierzig Leute, ein Megafon, das Wasser zieht, und ein aberkanntes Tor, natürlich.
- Regenjacke schlägt Regenschirm
- Thermoskanne schlägt Bierbecher
- Gute Laune schlägt Spielstand
Warum man trotzdem fährt
Wer fragt, warum man sich das antut, hat den Moment nicht erlebt, in dem der halbe Block gleichzeitig den Schal hebt und der Regen egal wird. Das Spiel endet torlos, die Stimmbänder enden rau.
Eine Auswärtsfahrt beurteilt man nicht nach dem Ergebnis, sondern nach dem Zustand der Stimme auf der Rückfahrt.
Um zwei Uhr morgens hält der Bus wieder am Vereinsheim. Jemand kehrt die Brotreste zusammen, jemand sammelt die Fahnen ein. In zwei Wochen geht es wieder los, diesmal Richtung Süden, und die Liste im Vereinsheim ist jetzt schon halb voll.
Die Ausrüstungsfrage
Wer regelmäßig im Gästeblock steht, entwickelt eine eigene Wissenschaft der Ausrüstung. Bewährt haben sich Thermosohlen aus dem Baumarkt, eine zweite Lage Socken und der alte Trick mit der Zeitung unter der Jacke. Der Fanclub hält außerdem einen Vorrat an Einwegponchos bereit, gekauft im Winterschlussverkauf, verteilt gegen eine Spende in die Fahrtenkasse. Und für die Rückfahrt liegen im Bus trockene Pullover bereit, gespendet von Mitgliedern, gewaschen von der Mutter des Vorsängers. Auch das ist Vereinsarbeit, nur eben bei Regen.